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Archive for the ‘Leitartikel’ Category

In diesem Artikel will ich erläutern warum die Kreismusikschule in Gefahr ist und warum solche Aussagen keine übertriebene Stimmungsmache sind. Ich bin mir sicher, dass einige Personen diese existentielle Notsituation herunterspielen werden, aber auch diesen Mechanismus versuche ich mal näher zu erläutern.

In den Medien liest man, dass der Landkreis die Musikschule nun endlich auf Spur gebracht hat und das Finanzproblem der Schule vorerst im Griff ist. Da mag man denken, dass jetzt alles super ist. Musikschule gerettet und im Abspann reiten die Helden in den Sonnenuntergang. Leider ist das zu schön um wahr zu sein!

Für mich als Aussenstehender ist die Lösung des Landkreises gerade so, als wenn der Fleischer einem Chirurgen erzählt wie er in Zukunft seine OPs zu machen hat. Das Führen einer Musikschule oder die Didaktik hinter dem Musikunterricht braucht Expertise. Eines der Gründe das der Verband Deutscher Musikschulen (VDM) von qualifizierten Musikschulen verlangt, dass die Lehrkräfte eine musikalische Fachausbildung besitzen müssen. Das die Politik und Verwaltung nun in den Betrieb der Musikschule „hineinregiert“ bedeutet nichts gutes. Die Personen, die dafür verantwortlich sind, dass die Förderquote im Vergleich zum Landesdurchschnitt für die Musikschule existentiell geworden ist, diktieren der Schule nun, wie der Betrieb zu laufen hat. Ich sage nur: Fleischer, … Leider geht es diesen Personen nicht um Qualität, sondern um das blanke Sparen – dem Sparen an der Jugend, dem Sparen an der Bildung, dem Sparen von gesellschaftlich wertvollen Freizeitangeboten im Landkreis Osterholz.

Der Deckmantel ist die Verteilung der Zulagen von den Reichen zu den Armen – faktisch bedeutet diese Verteilung aber, das der Musikschule ein großer Teil der bürgerlichen Mitte wegbrechen wird. Ein großer Teil dieser Mitte wird sich die geplanten Gebühren nicht mehr leisten können. Einige dieser Bürger werden ihre Kinder nicht dem zwei-Klassen-Denken des Landkreises unterwerfen, weil es für viele Kinder mit ihrem Ausbildungsstand keinen Sinn macht, sie in den Gruppenunterricht zurückzustufen. Sparen führt somit unweigerlich zum Qualitätsverlust – und der größte Teil der Kosten wird immer noch von den Eltern aufgebracht – aber für sinkende Qualität wird auch diese Bereitschaft sinken. Abmeldungen, sinkende Schülerzahlen, wachsende Leerzeiten, weniger Einnahmen, sinkende Kostendeckung – alles das wird durch die verbliebenen wenigen Eltern, die nun den Einzelunterricht selber finanzieren, nicht gedeckt werden können. Wieder Finanzprobleme, weitere Gebührenerhöhungen, die sich nun auf den Gruppenunterricht auswirken werden, da es beim Einzelunterricht nichts mehr zu erhöhen gibt. Der Exitus ist dann nicht mehr zu vermeiden!

Nun könnte der Landkreis natürlich sagen, das wegbrechende Kunden das Problem der Musikschule ist. Dann muss die Kreismusikschule halt ein besseres Angebot entwickeln – und so etwas sagen Verantwortliche ganz gerne. Wo sind denn aktuell die vielen Kritiker der Kreismusikschule? Von den Schülern habe ich nicht gehört das das Angebot verbessert werden muss – viele Kinder lieben diese Schule. Die Eltern klagen wegen der unmöglich hohen Kosten (was nicht Schuld der Musikschule ist). Ich glaube, da kann gar nicht viel von Seiten der Musikschule verbessert werden. Der Kreis hat das größte Verbesserungspotential unter seiner Kontrolle: Eine seriöse finanzielle Unterstützung – das ist das einzige Verbesserungspotential was ich sehe. Das würde noch mehr Schülern den Zugang zum Musikunterricht ermöglichen und für eine bessere Ausstattung der Schule sorgen. Ich bin mir sicher, das dann der absolute finanzielle Beitrag, der von den Eltern erbracht wird durch steigende Schülerzahlen sogar weit über dem jetzigen liegen würde. Weil der Mensch halt lieber in Qualität investiert, wenn er die Möglichkeit hat.

Ich könnte mir gut Vorstellen, dass der Landkreis mit Überzeugung behaupten wird, dass die Musikschule eine wichtige Einrichtung im Landkreis ist, die erhalten werden muss. Er wird aus vollem Herzen sagen, das er schon weit über seine Möglichkeiten gegangen ist, die Musikschule zu unterstützen. Er wird darauf hinweisen, das mit dem nun eingeführten Sozialfond auch die unteren sozialen Schichten endlich die Möglichkeit erhalten, am Musikschulunterricht teilhaben zu können. Man solle nun endlich mit dem Jammern aufhören und einfach seine Arbeit gut machen, dann wird sich schon zeigen das der Knoten endlich geplatzt ist.

Und wenn die Musikschule so wie oben beschrieben gegen die Wand gefahren ist – Exitus? Dann war es mit Sicherheit die mangelnde Überzeugung der Verantwortlichen der Musikschule, das falsche Angebot, die unmotivierten Musikpädagogen. Ich weiß, das klingt echt zynisch – aber das Muster ist leider hinlänglich bekannt. Es kann gar nicht an dem Vorschlag des Landkreises gelegen haben. Denn die Idee ist gut, und richtig und wurde ja auch so von einer Mehrheit demokratisch beschlossen. WAS? WIR SOLLEN DIE MUSIKSCHULE KAPUTTGESPART HABEN – LÄCHERLICH?

Mir liegt es sehr am Herzen, dass man diesen Mechanismus durchschaut!

Ich habe das sehr ungute Gefühl, das die Musikschule das ungeliebte Kind des Landkreises ist. Etwas seltsam war es schon immer – und so richtig verstanden hat es auch keiner. Es nervt immer nur weil es noch mehr Geld will – und wir wollen auch gar nicht sehen was es alles so treibt.

Was, ich übertreibe? Da habe ich eine ganz einfache Übung! Man lese nochmal den Artikel über das verzerrte Bild in der Presse, wenn es um die Finanznot der Musikschule geht. Ja, bitte ruhig auch mal in die verlinkten Zeitungsartikel hineinsehen. Mit dieser Stimmung dann bitte den hier verlinkten Artikel studieren. Erledigt? OK, was fällt uns auf? Ich gebe es zu es hat mich sehr nachdenklich gemacht: Wann habe ich gelesen, dass die Politk sagt „Die Kreismusikschule hat fantastische Arbeit gemacht“ wenn es um finanzielle Unterstützung ging. Wann hat die Politik jemals öffentlich anerkannt, dass es Preissteigerungen und tarifliche Anpassungen auch bei der Kreismusikschule gibt. Wann gab es ein Bewusstsein, das Sparen ein nicht wiedergutzumachendes Loch reißen würde? Ach ja, es geht ja hier auch um Erwachsenenbildung – da ist dann wohl auch eine erwachsene Unterstützung selbstverständlich. Ich will hier Bredbeck nicht seinen Zuschuss neiden, sondern ich beneide Bredbeck um die Würdigung, die der Einrichtung von der Politik entgegengebracht wird. Wenn ich an der Musikschule arbeiten würde, ich würde mich richtig schlecht fühlen. Leider bin ich unbedeutend aber ich sage es aus tiefer Überzeugung: „Liebe Kreismusikschule, ihr macht eine fantastische Arbeit – Danke!“

Die Gefahr, in der die Musikschule sich befindet, ist genau diese fehlende „Liebe“ der Politik. Welcher Schaden entsteht eigentlich, wenn die Musikschule schließen muss? Aus Sicht eines klammen Landkreises könnten doch die dann restlich gesparten Euros ein nettes Argument sein, oder? Man kann doch nicht ernsthaft wollen, dass diese für unsere Kinder und Jugendlichen so wertvolle Institution kaputt gemacht wird? Aus meinem Verständnis heraus handelt es sich dabei nicht um eine sehr theoretische Gefahr, sondern es ist eine sehr reale und sehr existentielle Bedrohung! Und wenn die politisch Verantwortlichen das wirklich geschehen lassen würden, dann bin ich zumindest zuversichtlich, dass sie die Konsequenzen auch tragen müssen.

Aber mal ganz ehrlich – das wäre ein schwacher Trost!

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„Mein Haus, meine Yacht, meine musizierenden Kinder“ – ist eine musikalische Bildung im wesentlichen ein Prestige für die engagierten Eltern? Was sollte es sonst noch für Gründe geben, Kinder und Jugendliche in die schönen Künste einzuweihen? Ich denke, dass Musikschulen aktuell ein eher negativeres Image haben. Musikunterricht war und ist in der Regel eine Investition der Eltern in ihre Kinder – es sollte auch eine Investition der Gesellschaft in die eigene Zukunft sein! Aber Investitionen haben ja auch etwas mit dem Einsatz von Finanzen zu tun. In diesem Artikel versuche ich zu klären, worin denn überhaupt Investiert wird.

Wenn man nur  oberflächlich schaut (oder hört), dann sind da am Ende ein paar Kinder oder Jugendliche, die durchaus respektable Dinge mit ihren Instrumenten vorführen können. Ja, Musik begleitet uns im Leben – aber es gibt ja Radio oder genug Alben mit Musik, die man sich kaufen kann. Schmücken sich die Eltern am Ende nur damit, dass Ihre Kleinen das auch ganz toll können? An alternativen Musikangeboten scheitert es doch nun wirklich nicht. Wenn also Eltern selber Geld in die Ausbildung ihrer Kinder investieren, muss man ja davon ausgehen, das diese sich das auch leisten können. Wenn man aus dieser Perspektive schaut, fällt es auch schwer zu akzeptieren, dass hier auch noch öffentliche Förderung notwendig ist – Geld zum Entzücken einer kleiner Minderheit? Nein, so einfach darf man sich das nicht machen!

Ich glaube wenn das wirklich so wäre, würde es überhaupt keine öffentliche Förderung für Musikschulen geben. Wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzt, erkennt man wie vielschichtig die Antwort auf diese Fragestellung ist. In den Leitlinien zur Sicherung und Weiterentwicklung der öffentlichen Musikschulen vom Deutschen Städtetag findet sich eine gute Übersicht zur Bedeutung des Musikunterrichts und der Musikschulen:

  • Musizieren und die Auseinandersetzung mit Musik fördern die Persönlichkeitsentwicklung und Sensibilität des Menschen. Die aktive Beschäftigung mit Musik schafft Zugänge zu den kulturellen Grundlagen der Gesellschaft.
  • Musizieren fördert Kreativität. Diese ist eine Voraussetzung für den schöpferischen Umgang mit dem eigenen Leben und für die Bewältigung von Herausforderungen unterschiedlichster Art.
  • Durch gemeinsames Musizieren wird das Sozialverhalten entwickelt. Gerade die gegenseitige Rücksichtnahme beim gemeinsamen Musizieren und die notwendige Geduld gemeinsamen Lernens sind wichtige Voraussetzungen sozialintegrierten Verhaltens.
  • Musikerziehung und Instrumentalunterricht fördern Konzentration, Leistungsbereitschaft, Durchhaltevermögen und Teamfähigkeit, Fähigkeiten, die allgemein als Schlüsselqualifikationen in Gesellschaft und Wirtschaft gelten.
  • Musikschulen integrieren durch gemeinsames Musizieren Menschen aus unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus. In einer Gesellschaft, in der sich soziale und kulturelle Gruppen und Milieus oft relativ unvermittelt gegenüberstehen, ermöglicht die Musikschule, Gräben zwischen diesen zu überbrücken und zu vermitteln. Die Zusammenarbeit mit Institutionen, die ähnliche Ziele verfolgen, wird von den Musikschulen angestrebt.
  • Die intensive Auseinandersetzung mit Musik und das Musizieren sind ein Gegengewicht zu der oft unterschwelligen musikalischen Reizüberflutung und ermöglichen dem Einzelnen einen bewussten Umgang mit musikalischen Angeboten. Zugleich fördern Musikerziehung und musikalische Bildung die Sensibilität gegenüber der Umwelt.
  • Musizieren ermöglicht Menschen aller Altersstufen eine sinnvolle Tätigkeit angesichts zunehmender Freizeit.
  • Besonders begabte Schülerinnen und Schüler erhalten in der Musikschule eine spezielle Förderung, die auch der Vorbereitung auf ein Musikstudium dienen kann.
  • Musikschulen tragen mit eigenen öffentlichen Veranstaltungen bzw. Beiträgen zu Veranstaltungen Anderer zum kulturellen Gesamtangebot der Kommune bei.

Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Liste vom „Dachverband“ der Kommunen stammt, also den Körperschaften, die sich an der Finanzierung der Musikschulen beteiligen. Der gesellschaftliche Nutzen ist demnach auch für den Deutschen Städtetag unstrittig!

Die aufgeführten Aspekte sind genau die Werte, in die auch durch die öffentliche Förderung investiert wird. Es geht also nicht um das Prestige oder um die Befriedigung des Egos ehrgeiziger Eltern! Eine musikalische Bildung von Kindern und Jugendlichen hat einen wichtigen Nutzen für die Gesellschaft.

Es ist wichtig, dass der Zugang zu diesem Nutzen keine Frage von Arm oder Reich ist. Es sind in der Regel sehr bewusste Entscheidungen von Eltern, ihren Kindern Musikunterricht zu ermöglichen. Die sehr mangelhafte öffentliche Unterstützung der Kreismusikschule Osterholz hat dazu geführt, dass die meisten Eltern immer stärker planen müssen, um die steigenden Kosten aufbringen zu können. Das hat auch dazu geführt, das für immer mehr Eltern aus der Mitte und aus den unteren Schichten der Gesellschaft der Zugang zum Musikunterricht unmöglich gemacht wurde. Das ist angesichts der Bedeutung für die Entwicklung unserer Kinder eine echte Schande, oder?

… und die weitere Ausgrenzung schreitet in großen Schritten voran!

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Wenn Eltern unbedingt Einzelunterricht für ihre Kinder wollen, dann sollen die das gefällig selber finanzieren. So oder so ähnlich klingen die Stimmen, die man aus dem Kreistag des Landkreises Osterholz vernehmen konnte. Über diesen Aspekt musste ich durchaus länger nachdenken: Warum brauchen wir denn unbedingt diesen teuren Einzelunterricht? Privatunterricht? Privatlehrer? Ja, das klingt schon unheimlich elitär. Vielleicht einer der Gründe, dass die Verantwortlichen des Landkreises nun beschlossen haben, dass die öffentliche Förderung bis 2014 nicht mehr in die Unterstützung des Einzelunterrichts fließen darf! Die Eltern, die sich aktuell den eh schon teuren Einzelunterricht leisten können, werden auch bei einer Preissteigerung von 60% weiter ihre Kinder zu ihrem Privatlehrer der Kreismusikschule schicken. Dann hat der Landkreis noch eine Sozialkomponente in die Finanzierung der KMS eingebaut. Die Mittel, die bei den reichen Eltern über den Einzelunterricht eingespart werden, werden in einem Sozialfonds gesammelt. Mit diesem Fonds können dann Kinder aus sozial schwachen Familien über den Bildungsgutschein nun auch das volle Programm der Musikschule in Anspruch nehmen. Den Reichen nehmen und den armen geben – das hat was von Robin Hood – der hat ein gutes Image – also ist das doch mal eine vernünftige und soziale Lösung für das Finanzproblem der Kreismusikschule, oder?

Ist es jetzt eigentlich politisch unkorrekt und unsozial wenn man diese Lösung in Frage stellt? Man kommt sich ja dann so vor wie der Sheriff vom Sherwood Forest. Bevor ich jetzt anfange zu erklären, warum dieser Vorschlag haarsträubend ist, muss ich anmerken, dass diese Sozialkomponente richtig und wichtig ist! Es muss ja gerade das Ziel einer öffentlichen Musikschule sein Kindern aus allen Schichten der Gesellschaft das volle musikalische Bildungsprogramm zukommen zu lassen. Das umfasst auch Einzelunterricht, Talentförderung, Vorbereitung auf das Musikstudium etc. also alles das, was eine Musikschule bieten kann. Aber, …

Da ich weder Musiker oder Musikpädagoge bin, habe ich mir überlegt, dass ich gar nicht in der Lage bin diese Frage selber zu beantworten. Ich habe einfach nicht das nötige Fachwissen, um selber beurteilen zu können ob Einzelunterricht nun ein elitärer Luxus ist oder nicht. Es gibt Studiengänge zum Thema Musikpädagogik. Zahlreiche Menschen promovieren auf diesem Gebiet. Es gibt Forschungsarbeiten zur Musikdidaktik und es gibt die zahlreichen Praktiker in den Musikschulen, die viele Jahre in der aktiven Vermittlung von musikalischen Fähigkeiten arbeiten. Diese Frage nur mit meinem pragmatischen Halbwissen zu beantworten, würde diese Experten im Prinzip diskreditieren. Also habe ich mich aufgemacht, um mein Wissen auf diesem Gebiet zu fundieren.

Eine wichtige Quelle dabei ist das „Plädoyer für die kommunale Musikschule“ von der ver.di Fachgruppe Musik NRW (http://musik.verdi.de/musikschulen/informationen/positionen_nrw/data/Positionspapier_NRW_0805.pdf). Den Text werde ich in einem späteren Blog noch genauer analysieren, konzentriere mich jetzt aber auf eine Aussage:

„Es gibt sie beide: den Musiker, der mit seinem Instrument allein im „stillen Kämmerchen“ sitzt und beim Spielen die Zeit und alles andere um sich herum vergisst – wie auch den Musiker, der sich auf die nächste Orchesterprobe freut und die Gemeinschaft mit anderen genießt. Es gibt sie beide: den Schüler, der in der allgemeinbildenden Schule unter Gruppen-zwang, Leistungsdruck und Konkurrenzkampf leidet und den Einzelunterricht an der Musikschule als positive Alternative empfindet – wie auch den am heimischen Computer Vereinsamten, für den Gruppenunterricht und Ensemblespiel ein wertvoller Ausgleich sind. Musizieren als individuelles Refugium wie auch als Medium sozialer Integration: Beide Funktionen sind gleichwertig und sollten sich im Angebot der Musikschulen widerspiegeln.“

Es ist spannend das gerade in einem Gewerkschaftsdokument nicht von Elite, elitär, Reich oder Luxus gesprochen wird, sondern das sich Einzel- und Gruppenunterricht gleichwertig im Angebot der Musikschule widerspiegeln sollten.

„Der Einzelunterricht darf kein Privileg der Besserverdienenden und Hochbegabten sein, der Gruppenunterricht kein Unterricht zweiter Klasse; vielmehr sollten beide Unterrichtsformen gleichwertig, frei zugänglich und individuell wählbar sein. Eltern sollten in die Lage versetzt werden, sich nicht aus finanziellen, sondern ausschließlich aus pädagogischen und psychologischen Gründen für die eine oder andere Unterrichtsform zu entscheiden. Dies setzt intensive persönliche Beratungsgespräche voraus, in denen die Lehrkräfte umfassend über Vor- und Nachteile einzelner Unterrichtsformen und die Eltern ihrerseits über Vorkenntnisse, Vorlieben und persönliche Eigenschaften der Kinder informieren. Anfängergruppen sind ausschließlich auf der Basis sorgfältiger Vorauswahl nach pädagogischen und psychologischen Kriterien zusammenzustellen. Die Lehrkräfte müssen ein diesbezügliches Entscheidungsrecht haben. Auch sollte es möglich sein, Anfänger in der ersten Unterrichtsphase zunächst allein zu unterrichten und in einer zweiten Unterrichtsphase Schüler, die man genauer kennt, zu kleinen, homogenen Gruppen zusammenzufassen.“

Als ich das gelesen hatte, wurde das Bild schon viel deutlicher. Die ver.di Fachgruppe Musik bringt genau die Experten zusammen, die sich fundiert zu solchen Fragen äußern können. Also, die Frage nach Einzelunterricht ist nicht die Frage nach Reich oder Arm, sondern basiert rein auf der pädagogischen Entscheidung der Lehrkraft und der Eltern. Zur Untermauerung dieser Erkenntnis habe ich dann noch mit einer Professorin der Universität Bremen aus dem Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik über dieses Thema gesprochen. Sie fand es auch sehr bedenklich hier die Unterscheidung nach Reich und Arm zu machen, da gerade die Musikpädagogik stark den emotionalen Bereich der Schüler trifft. Der Unterricht erfordert sehr viel Einfühlungsvermögen und die Unterrichtsform sollte sich einzig am Wesen des Schülers orientieren.

Für mich hat sich die Frage damit geklärt: Einzelunterricht ist also kein elitärer Luxus! Und es war gut, dass ich mir zur Erörterung dieser Frage einfach mal Expertenrat hinzugezogen habe. Bleibt die Frage, warum im Landkreis Osterholz die Eltern für etwas, das im Prinzip gleichwertig sein sollte, übermäßig finanziell belastet werden? Anscheinend könnten die Politiker, die das so entscheiden haben, ohne Probleme 60% mehr für ein bereits viel zu teures Angebot bezahlen. Leider sind nicht alle Menschen so gut gestellt! Das gilt auch für den großen Teil der Eltern, die ihre Kinder noch auf der Musikschule haben. Vielleicht sollte man das bei seinen Entscheidungen auch im Hinterkopf haben.Warum ist die Politik bei ihrer Bewertung zu einem anderen Ergebnis gekommen? Ich spare mir die Antwort darauf einfach mal – im Grunde kann man sich die Antwort auch denken, oder 😉 ?.

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Wenn man die Kosten für z.B. für den Einzelunterricht an der Kreismusikschule nach der letzten Gebührenerhöhung sieht, muss man wirklich den Eindruck bekommen, dass Musikschule ein Luxus für die reichen Mitbürger unter uns ist. Aktuell bezahlt man dort monatlich z.B. 166€ für 45 Minuten Instrumentalunterricht (ohne Leistungsnachweis) bzw. 120€ (mit Leistungsnachweis). Vor der Erhöhung waren es auch schon 145€/104€, also auch nicht gerade wenig Geld. Schaut man in unser benachbartes Bundesland Bremen (http://www.musikschule.bremen.de/files/entgeltordnung.pdf), dann kostet der vergleichbare Unterricht (45 Minuten Instrumental Einzel) dagegen nur 82€. Die Kreismusikschule ist also bezogen auf die günstigere Variante mit Leistungsnachweis beinahe um die Hälfte teurer als die Musikschule Bremen. Da mag man glatt Skandal rufen! Ist es so, dass die Kreismusikschule das Geld der Eltern einfach nur verprasst?

Natürlich ist das nicht so! Man mag aber einen anderen Eindruck bekommen wenn man das, was man in den lokalen Medien darüber liest nur oberflächlich konsumiert. Es wird viel darüber geschrieben, dass Die Musikschule sich endlich neu ausrichten soll, um z.B. für den defizitären Einzelunterricht bis 2014 Kostendeckung herzustellen (http://www.weser-kurier.de/Artikel/Region/Landkreis-Osterholz/537047/Einzelunterricht-soll-kostendeckend-werden.html oder http://www.weser-kurier.de/Artikel/Region/WUeMME-ZEITUNG/540417/Kreismusikschule-unter-Druck.html). Die Politik sagt das es ein „Weiter so“ nicht mehr geben soll (Wobei ich dem natürlich sofort zustimmen könnte – nur wird das wohl anders gemeint sein). „Die Musikschule soll über Ihren Schatten springen“, klar wer hier anscheinend der Böse ist. OK, und dann auch noch „die Aufnahme eines Sperrvermerks“, um sicherzustellen das zusätzliche Mittel nur ausgezahlt werden, wenn die KMS endlich das umsetzt, was die Politik schon länger von ihr verlangt. In älteren Artikeln findet man dann auch weitere Aussagen, die regelmäßig den Eindruck erwecken, das die Musikschule einfach nicht gut wirtschaften kann und Hilfe im Prinzip blockiert.

Wie ich im vorangegangenen Artikel bereits geschrieben habe, hat mich diese Sichtweise bis vor kurzen auch benebelt. Im nachhinein ist das vielleicht gerade der Grund, der mich nun so betroffen macht. Ich glaube, dass in der ganzen Debatte die Musikschule den geringsten Anteil einer Schuld trägt. Mit einer Quote von 27% (oder 28% wie im Artikel beschrieben) an öffentlicher Förderung liegt die Musikschule weit unter dem Durchschnitt der niedersächsischen Förderung, die immerhin bei über 44% liegt. Die Kreismusikschule Osterholz ist vielleicht sogar die Schule mit der geringsten öffentlichen Unterstützung in Niedersachsen. Man muss nun wirklich kein Mathegenie sein, um zu begreifen, das gerade dieser Unterschied in der öffentlichen Finanzierung das eigentliche Problem ist. Wie kann man denn allen Ernstes erwarten, dass man bei einer zunehmenden öffentlichen Unterfinanzierung immer noch wirtschaftlich arbeiten kann. Warum bekommen denn die meisten Musikschulen in Deutschland deutlich mehr öffentliche Unterstützung? Können es sich andere Kommunen vielleicht leisten, ihr Geld lockerer Auszugeben? Da gibt es meines Erachtens nur einen Grund: Für einen vernünftigen, qualitativ hochwertigen Betrieb einer Musikschule, bedarf es einfach einer bestimmten öffentlichen Mindestausstattung. Ich habe ja sehr großen Respekt vor unseren lokalen Politikern, Ratsherren etc. aber ich kann es einfach nicht glauben, das wir hier im Landkreis Osterholz die genialsten Einsparer Deutschlands an den Hebeln der Macht sitzen haben. Wie kann es sein, dass man gerade hier im Landkreis anscheinend das Rezept gefunden hat, wie sich ein ordentlicher Musikschulbetrieb mit 27% öffentlicher Unterstützung realisieren lässt? Sorry, das kann ich einfach nicht verstehen! Für mich klingt das so wie der Geisterfahrer, der sich über die ganzen Geisterfahrer aufregt, die Ihm entgegenkommen. Es mag ja auch Geisterfahrer gegeben haben, die ihr Ziel erreicht haben, aber ich finde das persönlich ein zu hohes Risiko – immerhin steht hier die Existenz einer hervorragenden Institution auf dem Spiel.

Aber ich wollte ja über das Thema „Musikschule, ein Luxus für die Reichen“ schreiben. Ein Luxus wird es ja gerade durch den Kurs, den die politisch Verantwortlichen im Landkreis eingeschlagen haben. Warum ist den z.B. der Einzelunterricht in Bremen so sehr viel günstiger? In Bremen liegt die öffentliche Förderung der Musikschulen bei über 60% (im Jahr 2011). Auch wenn es da vielleicht nicht echt einen mathematischen Zusammenhang gibt, ist die folgende Beobachtung interessant: Im Landkreis Osterholz kostet ein vergleichbares Unterrichtsangebot beinahe die Hälfte mehr als in Bremen – die öffentliche Förderung in Bremen ist aber prozentual aber mehr als doppelt so hoch als im Landkreis. Also ich kenne einige Familien hier im Landkreis, die ihren Kinder gerne den Musikunterricht ermöglichen würden. Ich bin mir sicher, das bei einer Preisgestaltung wie in Bremen es auch hier noch mehr Familien gäbe, die ihren Kinder das Erwerben dieses wichtige Bildungsgutes ermöglichen würden!

Und nochmal: Ich Denke es ist so unglaublich unfair die Musikschule für diese Entwicklung anzuklagen. Für mich sieht das Eindeutig danach aus, dass hier echter politischer Wille fehlt und es so einfach ist, den schwarzen Peter an die KMS zu schieben. Die Politik hat es in der Hand, ob das volle hochwertige Bildungsprogramm der KMS für eine breitere Masse ermöglicht wird oder nicht. Die Musikschule hat über viele Jahre gezeigt, das sie dann in der Lage ist die notwendige Qualität zu liefern.

Und wer das mit den Förderquoten nicht glauben mag, kann sie hier nachlesen: http://www.miz.org/intern/uploads/statistik83.pdf

So, und nun diesen Text bitte solange lesen, bis man verstanden hat wer und was die Ursache des Problems ist ;-)! Danke …

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