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Archive for the ‘Meinung’ Category

Es ist wieder mal typisch, dass hier die politisch Verantwortlichen des
Kreises gerade auf Kosten der Kinder und Jugendlichen sparen wollen. Das Ganze wird unter dem Deckmantel der sozialen Gerechtigkeit argumentiert, weil z.B. Einzelunterricht eine Art von Eliteförderung sei, die nur einen kleinen Teil der Bevölkerung bevorteilt. Das Handeln der Verantwortlichen des Kreises bevorzugt aber gerade eine Finanzelite, die anscheinend keine Probleme haben immer höhere Summen für eine kulturelle Ausbildung Ihrer Kinder zu bezahlen. Kinder aus anderen Schichten sollen in dieser Logik schon früh eine zwei Klassenmechanik zu spüren bekommen. Das volle Angebot mit allen Möglichkeiten und angemessener Förderung der Talente nur noch für die Wohlhabenden, Basisprogramm und Reihenbehandlung für die Masse. Das ein Angebot einer Musikschule nur von einen schmalen Teil der Gesellschaft Anspruch genommen wird, liegt in der Neigung und dem unterschiedlichen Interesse der Kinder und Jugendlichen, den Prioritäten der Eltern sich finanziell an der Bildung der Kinder zu beteiligen aber vorallem auch an den finanziellen Möglichkeiten der Eltern. Der Kreis sollte eigentlich stark daran interessiert sein mehr Kindern eine qualitativ hochwertige Musikausbildung zu ermöglichen. Er handelt aber so, dass das Angebot kultureller Ausbildung sich verschlechtert und Qualität nur noch einem kleinen elitären Kreis ermöglich wird. Anstatt seinen Beitrag zur Unterstützung der KMS zu erhöhen, damit z.B. die Kosten für den Einzelunterricht für mehr Familien bezahlbar wird, spart der Kreis die KMS systematisch kaputt. Aber vielleicht ist nachhaltiges und weitsichtiges Handeln von politisch Verantwortlichen in heutigen Zeiten auch zu viel verlangt, schade, dass es mal wieder die eigentlichen Zukunftsträger unserer Gesellschaft trifft – die Kinder und Jugendlichen.

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Aus der „ich“ Perspektive sehe ich natürlich einen sehr großen Wert darin, dass unsere Kinder ein Instrument in einer professionellen Musikschule mit gut ausgebildeten Musiklehrern lernen. Es ist einfach faszinieren zu sehen, was es den Kindern gibt, sich selber mit viel Spaß und Engagement den stetig wachsenden Herausforderungen zu stellen und diese dann zu bestehen. Es ist eine intensive Erfahrung für meine Kinder, wenn nach fleißigem Üben, auch nach häufigem Frust, kleineren Erfolgen, zähem Durchbeißen, am Ende das Beherrschen einer zuvor unmöglich geglaubten Aufgabe steht. Dabei ist es natürlich wichtig, das das Kind nicht vom Ehrgeiz der Eltern getrieben wird, sondern dass auf die wachsende Selbstmotivation gesetzt wird. Das ist aber gerade das schöne am Musizieren, das sich die Anforderungen immer wieder an das Können der Kinder anpassen. Am Ende ist dann jeder Berg den das Kind selber erklommen hat sein persönlicher Mount Everest. Hier ist natürliche die einfühlsame Arbeit der Musikschulpädagogen entscheidend, die es denen es gelingen muss, diese Grenze immer wieder aufs neue genau auszuloten.

Gerade im Musikunterricht erkennen unsere Kinder, dass die Musiklehrer einen großes Können besitzen und vermitteln wollen, das die Kinder nach und nach weiter bringt. Dieser Bezug zum „etwas gesagt und gezeigt bekommen“ und es bald darauf „selber zu können“ ist so wunderbar unmittelbar. Viele unserer Erziehungsversuche scheitern doch genau an einer unglaublichen Abstraktheit. Wir als Eltern, die Lehrer in der Schule und das Leben ganz allgemein: oft bekommen die Kinder nur gesagt das etwas wichtig und notwendig ist. Wirklich erfahren können die Kinder das in der Regel nicht (bis auf wirklich elementare Dinge im Leben). Ich bin mir sicher, dass das Erlernen eines Instrumentes unsere Kinder auch für das Erlernen  anderen Wissens geöffnet hat und ihnen Respekt vor anderen Wissensträgern gegeben hat, die ihnen etwas vermitteln können.

Dann sind da noch die Erfahrungen, wenn gemeinsam mit anderen Musikschülern im Rahmen von Ensemblearbeit geprobt und aufgetreten wird. Generell sind gerade auch die Auftritte, auch bei Einzelvorspielen, eine großartige Erfahrung für die Kinder. Gerade wenn man erfährt, dass wenn es mal nicht so perfekt gelaufen ist, der Applaus der Zuhörer um so warmer scheint. Ich könnte nun noch unzählige andere Aspekte nennen, die mir allein aus meiner eigenen Beobachtung einfallen würden, aber dann wird dieser Text wirklich viel zu lang. Wir sind froh, dass unsere Kinder mit dem eigenen Musizieren eine echte Alternative z.B.  zu Computer und Fernsehen haben, die eh schon viel Raum im Leben der Kinder einnehmen.

Es ist also diese Mischung aus

  • dem Bewältigen können einer unmöglich scheinenden Aufgabe;
  • seinen Gefühlen einfach mal freien Lauf lassen zu können;
  • dem Erkennen des Zusammenhangs von Zuhören, stetigem Üben, dem Überwältigen von Frust, der Freude an den kleinen Erfolgen und letztendlich dem Meistern einer großen Aufgabe;
  • dem „sich einfach trauen“ etwas herausforderndes einem Publikum zu präsentieren;
  • die Ensemblearbeit mit Disziplin und Freude für das Gruppenerlebnis zu betreiben;
  • der Anerkennung von anderen Menschen, etwas besonderes zu können;
  • dem Wissen einen Beitrag für die Gemeinschaft leisten zu können, wenn man im Rahmen z.B. eines Gottesdienstes, einer Ferienfreizeit oder einer Schulaufführung ein Musikstück vorspielt;
  • der Möglichkeit in einer immer stärker fordernden Umwelt, dem eigenen Stress mit dem Musizieren zu bewältigen;
  • den großen Spass und den Emotionen die mit dem Musizieren verbunden sind;
  • vielen weiteren Aspekten.

Es ist schade, dass die dargestellten positiven Effekte vielen anderen Kindern aufgrund der sehr hohen Kosten für die Musikschule versperrt bleiben. Ich sehe in jedem Fall viele positive Aspekte in der musikalischen Erziehung, von denen die Gesellschaft auch langfristig profitieren wird. Natürlich muss man sich das auch leisten wollen und eigene Prioritäten setzen worin man langfristig investieren will. Dennoch darf es nicht sein, dass der Zugang zum vollen Angebot einer Musikschule für viele Eltern einfach unerschwinglich ist – das war doch gerade der Grund warum es Musikschulen gibt. Deswegen brauchen die Schulen auch eine seriöse öffentliche finanzielle Unterstützung.

In vielen Quellen kann man über viele weitere positive Auswirkung der musikalischen Bildung lesen, die sich mit der Stärkung kognitiver Fähigkeiten,  der Auswirkung auf das Lernen im allgemeinen bis hin zur Steigerung der Intelligenz durch das Musizieren auseinandersetzen. Einen guten Überblick findet man z.B. hier. Dieser Artikel schliest mit einem Zitat, mit dem ich auch gerne schließen möchte:

„Und daher ganz zum Schluss ein Appell: Musik und Musizieren brauchen keine vordergründige Legitimation, niemand würde auf die absurde Idee kommen, Musik zu machen, um intelligent zu werden. Nein, Musik ist eine menschliche Notwendigkeit und ein Teil unseres Lebens. Der Umgang mit Musik gehört in unsere Gesellschaft, weil Musik eine der wenigen Möglichkeiten darstellt, Zugang zu den Dimensionen des Unaussprechlichen zu finden. In einer Welt der alles überflutenden medialen Geschwätzigkeit von Talkshows, Big-Brothers und Reality-TV brauchen wir Reservate des Nicht-mit-Worten-Sagbaren und Schutzzonen der Emotionen. „


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